Performance-Vergleich Saphire 27 CRUISE vs. SPORT

29. August, 12:52 Uhr

Immer wieder werde ich gefragt, wie die Segelleistungen der Cruise- gegenüber der Sport-Version sei. Soviel vorweg: sie ist schnell, sehr schnell! Nach umfangreichen Tests und Vergleichen folgt nun dieser Bericht.

Damit man den Vergleich besser interpretieren kann, folgt zuerst ein Überblick über die wesentlichen Merkmale der beiden Boote, wobei natürlich beide Boote den gleichen Rumpf haben:

Saphire SPORT

Rumpf und Deck in Sandwich mit PVC-Schaum, infusioniert im Vacuum-Verfahren und im Ofen nachgetempert. Weldox-Performance-Kiel, Carbon-Masten und ausgestelltes Membran-Grosssegel 29m2 sowie Membran-Fock 15m2 und ein Allround-Gennaker mit 70m2. Das ORC-Vermessungsgewicht liegt bei 1'340kg wovon 500kg Kielgewicht. Design Kategorie CE C.

Saphire CRUISE

Dumpf und Deck in Sandwich mit PVC-Schaum, hergestellt im Handauflegeverfahren. Aluminium-Rigg und Polyester-Laminat Pin-Head-Grosssegel 22m2 und Fock 14m2 sowie ein flacher Gennaker (Reacher) mit 50m2. Für den Vergleich wurde der gleiche Performance-Kiel mit Weldox-Struktur verwendet. Das ORC-Vermessungsgewicht liegt bei diesem Boot bei 1'495kg. Design Kategorie CE B.

Am Wind Segelleistungen

Die Cruise hat 8m2 weniger Segelfläche am Wind, was vermuten lässt, dass sie etwas langsamer segelt. Stimmt nicht! In bestimmten Bedingungen segelt sie sogar höher als die SPORT! Selbst für mich waren diese Vergleiche sehr aufschlussreich, zeigen sie doch die Grenzen der Square-Top Segel.

Bei leichten und mittleren Winden segelt die SPORT mit dem Squar-Top etwas schneller und auch höher am Wind. Bei rund 12Kn Wind und je drei Mann Besatzung ändert sich das Bild! Die CRUISE fährt zuerst gleichviel Höhe und ab 18Kn Wind sogar deutlich höher! Das hat verschiedene Gründe: Das grosse Membran-Segel mit Square-Top ist eben sehr gross. Zwar kann man es bei 18-20kn noch ohne Reff segeln, aber dazu müssen die obersten Latten invertieren. Das ist eine spezielle Technik, die man durch offenen Niederholer, viel Cunningham und den Baum in der Mitte erreichen kann. Gemacht ist das Segel auch für Performance und nach meiner Erfahrung ist es ideal bei Starkwind rund 350 bis 400kg auf der Kante zu haben, um das Square-Top-Segel richtig "ausreizen" zu können. Eine kleine Familie wird ab ca. 16-18kn. Wind es vorziehen, ein Reff zu nehmen.

Ganz anders bei der CRUISE. Bis 20kn Wind kann man das Pin-Head Grosssegel auch mit kleiner Crew schnell und einfach ohne Reff segeln. Durch die geringere Segelfläche erreicht die CRUISE spielend die CE Kategorie B für's offene Meer. Beide Boote segeln sich mit zwei Fingern an der Pinne bei 16-18kn Wind, wobei die SPORT viel präzieser gesteuert sein will. Fehler machen sich dort schnell bemerkbar, während die CRUISE Vieles verzeiht.

Das Square Top-Segel hat per Definition ein offenes Achterliek, d.h. es kann nie überzogen werden, während das Pin-Head-Grosssegel ein rund geschnittenes Achterliek hat, um ein optimales Profil zu erreichen. Das erlaubt bei leichtem Wind, enormen Schotzug zu fahren und den Lateralpunkt des Segels nach oben zu verschieben, wo der Wind oft besser und auch etwas stärker ist. Auf dem Bild unten sieht man sehr schön den Profilvergleich der beiden Segel. Mehr dazu aber in der nächsten YACHT-Ausgabe.

Videovergleich am Wind bei rund 10kn Wind

Nachfolgend ein erstes Video der beiden Boote an der Kreuz im direkten Vergleich bei mittleren Winden und kleiner Besatzung. Die SPORT ist da noch leicht im Vorteil aber bereits bei ein paar Knoten mehr Wind zieht die CRUISE gleich auf.

Vorwind Segelleistungen im Vergleich

Die wahre Stärke der SPORT liegt auf dem Vorwind-Kurs! Natürlich hilft hier das ausgestellt Membransegel enorm. Zudem fährt die SPORT mit einem rund 20m2 grösseren Allround-Gennaker. Bei allen Windbedinungen war hier die SPORT vor dem Wind schneller und vor allem fährt sie mehr Tiefe (VMG). Zudem kommt sie aufgrund des etwas leichteren Gewichts kombiniert mit mehr Segelfläche auch schneller ins Rutschen.

Und trotzdem: die CRUISE mit ihrem flachen Reacher war natürlich einfacher im Handling und auf spitzen Gennakerkursen der SPORT wiederum überlegen! Eigentlich nicht verwunderlich, da der 50m2 Gennaker/Reacher einerseits viel einfacher im Handling ist und andererseits genau für diese spitzen Kurse gezeichnet ist. Zudem erzeugt ein flacher Gennaker mehr scheinbaren Wind als ein runder, welcher mehr Widerstand hat. Das heisst de facto, dass die CRUISE mit ihrem kleinen und flachen Reacher bei Leichtwind und auf Reaching-Kursen eben doch nicht langsamer ist. Ich selbst nutze auf meiner SPORT Version ebenfalls seit Jahren diesen Reacher für Leichtwind!

Zudem kann auf der CRUISE auch ein Topfall installiert werden, um einen bis zu 80m2 grossen Gennaker zu fahren. Dann dürften die beiden Boote praktisch gleich schnell und tief vor dem Wind segeln.

Saphire 27 SPORT downwind sailing on Urnersee

Aluminium Rigg mit Square-Top Grosssegel

Das neue Alu-Rigg wurde bewusst so konzipiert, dass es mit und ohne Achterstag gefahren werden kann. Einerseit ist so das Handling des Bootes einfacher und andererseits kann dann auch ein Square-Top Grosssegel gefahren werden. Ich habe darauf geachtet, dass der Alumasten praktisch die gleichen Eigenschaften kriegt wie der Carbon-Masten. Das Aluminium-Rigg wiegt nur 12kg mehr als der Alumasten. Dazu haben wir ein relativ grosses, aber leichtes Profil gewählt mit dem Vorteil, dass das Rigg steiff und gleichzeitig leicht wird. Die Tests haben gezeigt, dass die CRUISE mit dem Square-Top an der Kreuz die gleiche Performance erreicht wie die SPORT, obwohl sie mit Aussenbord-Motor rund 150kg schwerer  ist. Das ist eigentlich logisch, da am Wind relativ schnell die Rumpfgeschwindigkeit erreicht wird.

Fazit

CRUISE und SPORT: beide Boote finden ihre Liebhaber und beide Boote stehen für "pure sailing"! Wer den ultimativen Dauerspass haben will, entscheidet sich für die SPORT Version. Wer mehr mit kleiner Crew segelt und hier und da an Regatten teilnimmt, wird sich eher für die Cruise entscheiden. Und was noch wichtig ist: wer nach Vermessungssystemen Regatten segelt, sollte in jedem Fall das Pin-Head Grosssegel mit dem 50m2 Reacher wählen, egal für welche Variante. Ich werde demnächst einen Blog zu den Ratingsystemen veröffentlichen, da ich mich über die letzten drei Jahre damit auseinandersetzen musste und in vielen verschiedenen Ländern nach unterschiedlichen Ratings gesegelt habe.