Assistiertes Einhandsegeln auf einer Saphire 27

02. August, 10:50 Uhr

Einandsegeln leicht gemacht!

Dazu ein Überblick, wie ich meine Serafina III ausgerüstet habe.

Die von mir gewählt Ausrüstung sollte nicht zu teuer sein und möglichst viel bieten. Dazu habe ich ein B&G Triton Packet mit Geschwindigkeit, Wind und Tiefe kombiniert mit einem GPS, damit am scheinbaren Wind segeln kann, sowie eine Fernbedienung. Ergänzt wird das System mit einem TP32 Pinnenpilot (82kg). Ich habe das stärkste Modell gewählt, weil dieses reaktionsschneller ist und natürlich mehr Kraft hat. Bei einem leichten Boot wie der Saphire ist es wichtig, einen reaktionsfähigen Pinnenpiloten zu installieren, damit schnelle Ruderbewegungen möglich sind.

Auf dem ersten Bild sieht man neben dem Pinnenpiloten, dass ich zwei Curry-Klemmen hinter die Cockpitbänke montiert habe, um die Fockschot nach hinten zu führen. Natürlich können auch zwei selbstholende Winschen beim Steuermann auf dem Achterdeck montiert werden.

Auf dem B&G Display sieht man die Windanzeige an der Kreuz: Wahrer Wind 47°, scheibarer Wind 23°, wahre Windgeschwindigkeit 3.8kn und scheinbarer Wind 7.2kn (Differenz durch den Fahrtwind an der Kreuz).

Nun kann man auf der Fernbedienung oder dem Piloten eine Tastenkombination drücken und das Boot wendet oder halst austomatisch zum gleichen scheinbaren Wind-Kurs auf dem anderen Bug. Die Geschwindigkeit und den Ausschlag des Ruders kann man individuell nach Bootstyp bzw. -art einstellen. Bei leichten und mittleren Winden funktioniert das einwandfrei, bei starkem Wind ist das Manöver etwas heikler, da das Boot langsam wendet und tendenziell zu stark abfällt. Unter Gennaker empfiehlt es sich bei starkem Wind das Manöver ohne Pinnenpilot zu fahren, weil ein kurzes Abfallen nach der Drehung unabdingbar ist, um nicht in den Wind zu schiessen.

Insgesamt funktioniert die Steuerung am Wind besser, d.h. praktisch einwandfrei, als auf Raumkursen. Dort arbeitet der Pilot andauernd und kommt kaum zur Ruhe. Oft kommen Rückmeldungen wegen Winddrehern, was aber vielmehr auf die Wellen zurückzuführen ist. Anstatt im Wind-Modus stelle ich dann einfach auf Autopilot-Modus um, d.h. das Boot fährt nach Kompass und ich korrigiere mit dem Gennaker. Den optimalen VMG-Kurs (Velocity Made Good) erreicht man so zwar nicht, aber es segelt sich trotzdem sehr angenehm und leicht.

Deckchute

Hier handelt es sich um eine ganz neue Entwicklung aus Dänemark, inspiriert durch die Katszene. Auf der Serafina III wurde ein Prototyp zum Testen installiert. Der Deckchute liegt auf dem Deck, wie schon der Name sagt, und der Gennaker/Spinnaker wird bei Gebrauch einfach hochgezogen. Kopf voran und Tackline und Schotende am Schluss. Patches im Gennaker sind nicht notwendig. Man zieht den Gennaker am Fall hoch, danach zieht man die Tackline und am Schluss nimmt man die Schot dicht. Beim Bergen umgekehrt: an der Tackline wieder in den Schlauch und hinten raus in die Kabine. Fall und Schoten werden einfach losgelassen. Nach dem Bergen an der Kreuz muss der Gennaker wieder korrekt im Schlauch verstaut werden: Dazu öffnet man den Schlauch am Reissverschluss und ordnet den Gennaker wie eine Handorgel vom Kopf nach unten bzw. hinten an. Schot und Tackline können da liegen bleiben, wo sie gerade sind, weil sie erst am Schluss aus dem Schlauch gezogen werden.

Vor- und Nachteile des Deckchutes

Wie alles im Leben braucht es zuerst etwas Erfahrung mit neuen Produkten. Nachdem ich den Deckchute rund ein Dutzend Mal gebraucht hatte, wurde das Handling immer einfacher. Zuerst machte ich die Manöver mit gesetzter Fock, was aber nur ein einfaches Hissen oder Bergen im Luv ermöglicht. Zwar ist es möglich auch unter der Fock durch, aber der Platz vorne am Bug ist eng und man risikiert, dass der Gennaker irgendwo hängen bleibt. Im Luv geht das problemlos aber dafür bin ich nicht flexibel mit der Seitenwahl. Also habe ich die Fock aufgerollt und dadruch die Möglichkeit geschaffen, den Gennaker im Lee oder im Luv zu hissen/bergen. Natürlich muss ich dazu die Leinen umhängen aber das ist viel einfacher, als die ganze Gennaker-Tasche rund ums Boot zu zurren.

Zum Einhand-Segeln eignet sich der Deckchute sehr gut, während ich ihn mit einer Regattamannschaft nicht einsetzen würde. Wenn der Genni einmal oben ist, kann ich immer frei entscheiden, ob ich ihn in die Tüte bergen will oder nicht. Eine solche Entscheidung drängt sich z.B. auf, wenn ich unter Gennaker relativ hoch am Wind eine Tonne ansteure und den Gennaker nach hinten ins Cockpit bergen möchte. Zwar funktioniert das mit dem Deckchute auch, aber ich kann dann die Fock erst nach dem Bergen setzen. Hingegen funktioniert ein Kiwi oder Jibe-Drop sehr gut mit dem Deckchute, dafür ist er perfekt.

Ein weiterer Nachteil zeigt sich bei fliegenden Gennakerwechseln. Hier ist es einfacher, den neuen Gennaker erst am Ende beim Bergen wieder in den Schlauch zu ziehen. Einzige Voraussetzun dafür ist, dass ich eine zusätzliche Leine zusammen mit der Tackline befestige, welche durch den Schlauch führt. Für den harten Regattaeinsatz mit Crew wird sich der Deckchute kaum durchsetzen. Hingegen eignet er sich insbesondere zum Einhand-Segeln sowie zum Cruisen. Eine spannende Neuentwicklung, die es zu prüfen gilt.


Fazit

Assisitiertes Einhandsegeln ist einfach, auch bei stärkerem Wind, wenn man gute Werkzeuge hat. Der Pinnenpilot gibt Freiraum zum Arbeiten und der Deckchute Sicherheit insbesondere beim Bergen vom Gennaker bei Starkwind. Beides braucht etwas Training, um beides gut zu beherrschen, nichts geht von alleine. Wer sich all die Werkzeuge installiert aber nicht regelmässig nutzt, wird nicht zufrieden sein damit.Letztendlich sind es die Stunden auf dem Wasser, die den Unterschied machen.